Bonsai: Die Kunst der Miniaturbäume – Pflege, Formgebung und tiefer Sinn der Bonsai-Kunst
Willkommen in der Welt des Bonsai, einer jahrhundertelangen Tradition, die weit mehr ist als das einfache Beschneiden eines Baumes. Bonsai, die Kunst der Miniaturbäume, verbindet Geduld, Präzision und eine feine ästhetische Sensibilität. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Bonsai richtig auswählen, pflegen und kunstvoll gestalten – damit aus einer gewöhnlichen Pflanze ein lebendiges Kunstwerk wird. Lassen Sie sich inspirieren, wie Bonsai nicht nur äußerlich formt, sondern auch innerlich Ruhe, Fokus und Freude fördert.
Was ist Bonsai? Die Essenz der Bonsai-Kunst
Der term Bonsai (mit Großbuchstabe B) bezeichnet eine Baumpflanze, die in kleinem Maßstab gehalten und geformt wird, sodass sie die Ästhetik eines ausgewachsenen Baumes in kompakter Form widerspiegelt. Bonsai ist kein künstliches Konstrukt, sondern eine lebendige Kunstform, die natürliche Baumschönheit, Geometrie und japanisch geprägte Ästhetik vereint. Die Wurzeln dieses Konzepts reichen weit zurück: Ursprünge finden sich im alten China unter dem Begriff Penjing, während in Japan die Praxis weiter kultiviert und verfeinert wurde. Beim Bonsai geht es weniger um das schnelle Wachsen als vielmehr um das langsame, behutsame Styling über Jahre hinweg. So entsteht mit Geduld eine Harmonie aus Form, Proportionen, Jahreszeiten und Subtilität.
Im Kern verbindet Bonsai mehrere Prinzipien: Geduld, Beobachtungsgabe, Führung der Form durch Draht, sorgfältige Bewässerung und Düngung, sowie das respektvolle Arbeiten mit der Natur. Die Kunst des Bonsai lehrt, Veränderungen über lange Zeiträume hinweg zu akzeptieren, und sie ermutigt dazu, klare Linien und geschwungene Konturen zu erfassen. Wer Bonsai pflegt, lernt, mit dem Baum zu arbeiten statt gegen ihn zu kämpfen. Diese Koexistenz – zwischen Mensch, Pflanze und Raum – macht Bonsai zu einer lebenslangen Lernreise.
Geschichte, Ursprung und kultureller Kontext des Bonsai
Bonsai hat eine reiche Geschichte, die von Ostasien nach Europa getragen wurde. Die Grundlagen wurden in China mit Penjing gelegt, einer Praxis, die ähnliche Ziele verfolgt: Bäume in Miniaturformen zu kultivieren, die die Natur in einer kompakten Landschaft abbilden. Der Weg von Penjing zu Bonsai erfolgte durch Japan, wo Kunsthandwerk, Ästhetik und Philosophie eng miteinander verbunden wurden. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Bonsai zu einer eigenständigen Kulturpraxis, die nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine tiefe Wertschätzung für Details, Rhythmus des Wachstums und den respektvollen Umgang mit dem Leben der Pflanze umfasst.
In Europa gewann Bonsai besonders seit dem 19. und 20. Jahrhundert an Popularität. Sammler, Gärtner und Künstler entdeckten die gleiche Faszination für Miniatur-Landschaften, oft beeinflusst durch romantische Vorstellungen von Natur, Zen-Philosophie und handwerklicher Perfektion. Heute ist Bonsai eine globale Kunstform mit lokalen Varianten, in denen traditionelle Techniken mit modernen Ansätzen verschmolzen werden. Die Geschichte erinnert daran, dass Bonsai mehr ist als Technik – es ist eine Philosophie, die Zeit, Geduld und eine feine Beobachtungsgabe belohnt.
Bonsai-Stile: Von formell bis kaskadisch – die Vielfalt der Bonsai-Formen
Ein zentrales Element des Bonsai ist die Formgebung. Verschiedene Stilrichtungen bestimmen, wie der Baum im Topf aussieht und welche Balance zwischen Astwerk, Stammführung und Wurzelansatz entsteht. Hier finden Sie eine Übersicht über die bekanntesten Bonsai-Stile, ergänzt durch kurze Erklärungen, wie man diese Stile im eigenen Garten oder Balkon umsetzen kann.
Chokkan – Formeller Aufrecht
Der formelle Aufrechte Stil zeichnet sich durch einen durchgehenden, stabilen Stamm aus, der sanft nach oben wächst. Die Äste verlaufen symmetrisch und hängen in klaren Linien von der wiederkehrenden Spannung des Baumes. Dieser Stil vermittelt Ruhe, Disziplin und Eleganz. Für den Anfänger ist Chokkan eine gute Zielsetzung, um Proportionen zu üben und eine klare, lesbare Baumstruktur zu entwickeln. Wichtig ist hier, dass der Schwerpunkt entlang einer zentralen Achse liegt und die unteren Äste proportional zur Krone bleiben.
Moyogi – Informeller Aufrecht
Der Moyogi-Stil ist lockerer als Chokkan, mit einer sanften Biegung des Stammes und natürlichen Unregelmäßigkeiten in der Ästenführung. Dieser Stil spiegelt oft spontane, aber kontrollierte Bewegungen wider – wie ein Windhauch durch den Baum. Moyogi eignet sich hervorragend für Einsteiger, weil er weniger starre Proportionen verlangt und dennoch klare Linien beibehält. Die Kunst liegt darin, die natürliche Form des Baumes zu lesen und behutsam zu korrigieren, damit Vorder- und Hintergrund eine harmonische Beziehung eingehen.
Shakan – Schiefer Aufrecht
Shakan bedeutet Schrägaufrecht. Bei diesem Stil wächst der Stamm leicht geneigt, während der Baum insgesamt eine aufrechte Haltung bewahrt. Die Blickführung erinnert an einen Baum, der sich dem Licht entgegenstreckt. Shakan erfordert Feingefühl beim Drahten, damit der Neigungswinkel natürlich wirkt und die Balance zwischen Stamm, Ästen und Krone stimmt. Für Gärtner mit einem Auge für dynamische Linien bietet Shakan spannende Gestaltungsmöglichkeiten.
Kengai – Kaskade
Der Kengai-Stil zielt darauf ab, die Krone des Baumes deutlich unter den Topfrand hinauszuwachsen zu lassen, als würde der Baum an einer Kaskade hängen. Der obere Teil des Baumes bleibt kompakt, während die unteren Äste in eine fließende Linie fallen. Dieser Stil eignet sich besonders gut für Hängekonstruktionen oder vertikale Gärten. Er vermittelt eine dramatische, poetische Wirkung und erfordert sorgfältige Kontrolle des Gewichts und der Lastverteilung im Substrat.
Han-kengai – Halbkaskade
Han-kengai ist eine semi-kaskadierende Form, bei der der Baum nicht vollständig über den Topfrand hinaus wächst, sondern sich in einer sanften Linie nach unten neigt. Diese Form bietet eine gute Balance zwischen Dramatik und Handhabbarkeit. Der Halbkaskade-Stil ist oft leichter zu pflegen als eine vollständige Kaskade und eignet sich gut für Innen- und Außenbereiche mit begrenztem Platz.
Die richtige Ausrüstung und Vorbereitung für Bonsai-Anfänger
Bevor Sie loslegen, brauchen Sie das passende Equipment, um Bonsai sauber zu arbeiten, schonend zu gestalten und langfristig zu pflegen. Gute Werkzeuge erleichtern das Training des Baumes, minimieren Stress für die Pflanze und erhöhen den Erfolg. Hier eine kompakte Liste mit Empfehlungen:
Draht, Drahtschneider und Pinzetten
Draht ist das zentrale Werkzeug zur Formgebung eines Bonsai. Flexibler Aluminiumdraht oder driftfreier Kupferdraht ermöglicht präzises Biegen der Äste, ohne die Rinde zu beschädigen. Drahtschneider helfen beim sicheren Abtrennen überschüssiger Drahtsegmente, und feine Pinzetten unterstützen beim Entfernen abgestorbener Blätter oder beim gezielten Positionieren kleiner Zweige. Beginnen Sie mit dünnem Draht, der sich später leichter entfernen lässt, und arbeiten Sie langsam, um Risse oder Knicke zu vermeiden.
Scheren, Schnitte und Feinarbeit
Eine scharfe Bonsai-Schere ist Pflicht. Für feine Arbeit an Blättern, Zweigen und Wurzeln benötigen Sie eine kleine, präzise Schere. Ein Rebscheren-Set oder eine spezialisierte Bonsai-Schere hilft, klare, saubere Schnitte zu erzielen. Vermeiden Sie abgerissene Schnitte – glatte Kanten heilen besser und fördern eine gesunde Wundheilung.
Substrat, Töpfe und Bewässerungssysteme
Auch das richtige Substrat beeinflusst das Baumwachstum maßgeblich. In der Bonsai-Praxis ist eine gut durchlässige Mischung aus Akadama (oder alternativen Tonerden), Bims, grober Lava oder Lavakies ein gängiger Standard. Die Topfgröße sollte dem Baum an Alter, Stil und Wurzelentwicklung angepasst sein. Eine gute Drainage verhindert Staunässe und Wurzelfäule. Neben dem Substrat sind Bewässerungswerkzeuge nützlich: Messtand (Feuchtigkeitsmessstreifen) oder ein einfacher Tropfbewässerer helfen, den Feuchtigkeitsgehalt im Topf zu überwachen.
Pflegegrundlagen für Bonsai: Standort, Licht, Bewässerung und Ernährung
Eine erfolgreiche Bonsai-Pflege basiert auf konsistenter Beleuchtung, angemessener Bewässerung und der richtigen Nährstoffzufuhr. Hier finden Sie praxisnahe Hinweise, die Sie direkt umsetzen können:
Standort und Lichtbedarf
Die meisten Bonsai gedeihen bei hellem, indirektem Licht. Außenbonsai bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort, während Innenbonsai eine standortnahe Lichtquelle benötigen. Vermeiden Sie direkte, sengende Mittagssonne im Sommer, da sie zu Verbrennungen führen kann. Im Winter benötigen weitaus weniger Licht und eine kühlere Temperatur, damit die Pflanze in eine Phase der Ruhe treten kann. Die richtige Balance zwischen Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist entscheidend für das langfristige Wohlbefinden.
Bewässerung – Maß und Timing
Bewässerung ist eine der heikelsten Aufgaben beim Bonsai. Zu viel Wasser führt zu Wurzelfäule, zu wenig verursacht Stress und braune Blattspitzen. Ein praktischer Ansatz ist, den Feuchtigkeitsgrad des Substrats regelmäßig zu prüfen: Die Oberflächenschicht kann trocken, die unteren Schichten jedoch noch feucht sein. Viele Bonsai-Freunde empfehlen, das Substrat gleichmäßig feucht zu halten, aber niemals nass zu halten. In der Wachstumszeit benötigen Bonsai tendenziell öfter Wasser, während in der Ruhephase die Bewässerung reduziert wird. Beobachtung bleibt hier der beste Ratgeber.
Düngung – Nährstoffe gezielt geben
Eine ausgewogene Düngung unterstützt das langsame, kontrollierte Wachsen. Im Frühling und Sommer ist ein regelmäßiger, moderater Düngungsrhythmus sinnvoll. Organische oder mineralische Dünger können eingesetzt werden, wobei die Dosierung den Baumgesundheitszustand widerspiegeln sollte. Eine Überdüngung ist genauso schädlich wie Unterernährung; daher ist es besser, mit niedrigen Düngemengen zu beginnen und sie schrittweise anzupassen, sobald der Bonsai reagiert.
Substrat- und Umtopf-Strategien
Regelmäßiges Umtopfen alle drei bis fünf Jahre – je nach Baumart und Wurzelentwicklung – stärkt die Gesundheit des Bonsai. Beim Umtopfen wird das Wurzelwerk behutsam reduziert, überschüssiges Substrat entfernt und frisches Substrat eingelegt. Achten Sie darauf, den richtigen Zeitpunkt zu wählen: Nach der Ruhephase oder am Anfang der Wachstumsperiode ist ideal, damit sich Wurzeln schnell neu etablieren können. Beim Umtopfen muss der Bonsai auch wieder neu in Preis geben, damit Wurzel- und Aststrukturen sich harmonisch entwickeln können.
Trainingstechniken: Beschneiden, Drahten und Formgebung
Das Training eines Bonsai erfordert Geduld und Präzision. Die folgenden Techniken helfen, die gewünschte Form zu erreichen, ohne den Baum zu belasten:
Beschneiden – Blatt- und Strukturbildung
Durch gezielten Schnitt von Blattwerk und kurzen Trieben lässt sich die Krone verdichten und in die gewünschte Form bringen. Defoliation (Blattschnitt) kann in bestimmten Fällen helfen, die Blattgröße zu reduzieren und das Eindringen von Licht in das Innere der Krone zu verbessern. Beim Anlegen von Nebentrieben ist behutsamer Rückschnitt sinnvoll, damit die Hauptachse gestützt wird und die Proportionen stabil bleiben.
Drahten – Formgebung ohne Bruch
Drahten ist eine der effektivsten Methoden, um die Linienführung eines Bonsai zu gestalten. Draht wird um den Stamm oder die Äste gelegt, um sie in die gewünschte Position zu bringen. Wichtig ist, den Draht regelmäßig zu kontrollieren, damit er sich nicht in die Rinde hineinwächst. Korrigieren Sie frühzeitig, bevor sich der Baum an die neue Position angepasst hat. Mit Geduld entstehen so elegante Hänge, Bögen und Kontraste, die dem Bonsai seinen individuellen Charakter geben.
Defoliation und saisonale Anpassungen
Defoliation – der gezielte Blattschnitt – kann in bestimmten Arten und Phasen sinnvoll sein, um die Blattgröße zu reduzieren und die Luftzirkulation im Baum zu verbessern. Diese Technik ist fortgeschritten und erfordert Erfahrung; falsche Anwendungen können dem Baum Stress bereiten. In der Praxis testen Gärtner sie zuerst an weniger empfindlichen Arten oder in weniger kritischen Wachstumsphasen.
Bonsai im Innen- oder Außenbereich: Klima, Pflege und Platzbedarf
Eine zentrale Frage in der Bonsai-Pflege ist, ob der Baum lieber im Innen- oder Außenbereich kultiviert wird. Die Antwort hängt stark von der Art des Bonsai, dem Klima und dem individuellen Raum ab. Hier einige Orientierungspunkte:
Außenbonsai – Widerstandskraft und Saisonrhythmus
Außenbonsai genießen kühle Winter und wechselnde Jahreszeiten. Arten wie viele immergrüne Steineichen, Eichen oder Zelkova profitieren von einer ausgeprägten Ruhephase im Winter. Diese Ruhephase stärkt das Immunsystem und bereitet den Baum auf das neue Wachstumsjahr vor. Achten Sie darauf, im Winter genügend Schutz vor Frost zu bieten, insbesondere in Regionen mit starkem Frost oder Sonnenschutz, um das Austrocknen der Krone zu verhindern.
Innenbonsai – Anpassung an Tropen- oder Zimmerbedingungen
Viele Bonsaiarten, wie Shimpaku, Zierpflanzen- oder Tropenarten, eignen sich gut als Innenbonsai, solange Licht, Luftfeuchtigkeit und Temperatur kontrolliert werden. Innenbonsai benötigen oft mehr konstante Pflege, einen geeigneten Standort mit ausreichend Licht und eine angepasste Bewässerung, da Innenräume oft trockener sind als Außenbereiche. Die Kunst besteht darin, den Innenraum so zu gestalten, dass der Baum regelmäßig Frischluft erhält und Tages- wie Nachtzyklen respektiert werden.
Häufige Fehler vermeiden – Tipps aus der Praxis
Selbst erfahrene Bonsai-Gärtner machen gelegentlich Fehler. Die gute Nachricht ist, dass die meisten Probleme mit aufmerksamer Pflege und richtigen Anpassungen behoben werden können. Hier sind häufige Stolpersteine und praktikable Lösungen:
Überwässerung oder Trockenstress?
Zu viel Wasser schadet den Wurzeln, während zu wenig Wasser das Wachstum stoppt. Regelmäßige Kontrolle des Substrats, abgestuftes Gießen und das Anpassen der Bewässerung an Saison und Baumart helfen, dieses Dilemma zu vermeiden. Ein Bewässerungsplan, der auf Beobachtung basiert, ist hier der beste Weg.
Zu wenig Licht – Wachstumsstillstand
Licht ist der Treibstoff des Bonsai. Wenn der Baum schwach wächst, die Blätter blass bleiben und die Krone dünn wirkt, ist oft mehr Licht nötig. Stellen Sie den Bonsai an einen hellen Ort, wechseln Sie bei Bedarf die Position oder ergänzen Sie Lichtquellen, besonders im Winter.
Unpassende Formgebung – Proportionen aus dem Gleichgewicht
Zu aggressives Drahten oder falsche Schnitte können die Proportionen stören. Arbeiten Sie in kleinen, kontrollierten Schritten, beobachten Sie das Wachsen des Baumes und korrigieren Sie nach Bedarf. Geduld ist hier der Schlüssel; bei Bonsai entsteht Form durch wiederholten, sanften Eingriff über Monate und Jahre.
Vom Samen zum Bonsai: Erste Schritte und erfolgreiche Einstiegspfade
Der Weg zum ersten eigenen Bonsai beginnt oft mit einer wohlüberlegten Auswahl der Art, des Standorts und des Stilwunsches. Hier finden Sie eine klare Orientierung, wie Sie heute loslegen können – auch ohne großes Vorwissen:
Wahl der Baumart – Einsteigerfreundliche Arten
Für Anfänger bieten sich robuste Arten an, die sich leichter an unterschiedliche Bedingungen anpassen. Beliebte Einsteigerarten sind beispielsweise die Zypressen, der Ficus, der Chinesische Bambus-Bonsai oder der Heide-Kiefer. Wichtig ist, die Art dem Standort anzupassen: Innen- oder Außenbereich, Licht- und Temperaturbedingungen sowie die benötigte Ruhephase beachten.
Vom Sämling zum ersten Bonsai – Schritt-für-Schritt-Plan
1) Beschaffen Sie einen passenden Ableger, Vorkeim oder eine junge Pflanze in der gewünschten Form. 2) Prüfen Sie Wurzeln und Stamm, entscheiden Sie über erste Draht- oder Schnittexperimente. 3) Legen Sie eine einfache Form fest – vielleicht Chokkan oder Moyogi – und arbeiten Sie in kleinen Schritten. 4) Warten Sie auf das natürliche Wachstum, beobachten Sie Reaktionen der Pflanze und passen Sie Pflege, Licht und Bewässerung entsprechend an. 5) Machen Sie regelmäßige Notizen über Entwicklungen, damit Sie aus Erfahrungen lernen und die nächste Form optimieren können.
Der Bonsai-Pflegekalender: Jahreszeiten-Plan für Ihr Miniaturwachstum
Ein strukturierter Pflegekalender unterstützt dabei, Bonsai das ganze Jahr über gut zu betreuen. Hier ein praxisnaher Rahmen, der als Orientierung dient:
Frühling
Neue Triebe bilden sich, leichter Draht kann angewendet werden, um die ersten Formierungen zu stabilisieren. Düngung beginnt wieder sanft, und das Umtopfen wird erwogen, falls der Wurzelballen stark gewachsen ist. Beobachten Sie Schädlinge und entfernen Sie eventuelle alte Blätter, um das neue Wachstum zu fördern.
Sommer
Das Hauptwachstum erreicht seinen Peak. Bewässerung häufiger prüfen, da Substrat schneller austrocknet. Drahten kann fortgeführt oder angepasst werden, um neue Linien zu fixieren. Schattierungen oder etwas Kühlung helfen, Sonnenbrand zu vermeiden. Defoliation wird nur nach Bedarf eingesetzt, wenn der Baum stark gesund bleibt.
Herbst
Stabilisierung des Wachstums, Vorbereitung auf die Ruhephase. Düngung reduzieren, um das Baumwachstum verlangsamen zu lassen. Überprüfen Sie das Wurzelwerk beim Umtopfen: Ist der Wurzelballen zu dicht geworden, ist eine sanfte Wurzelreduzierung sinnvoll.
Winter
Ruhephase mit reduzierter Pflege. Je nach Art ausreichend Kühlung ist wichtig, damit der Baum nicht weiter wächst. Vermeiden Sie Staunässe und schützen Sie empfindliche Arten vor zu starkem Frost. Innenbonsai benötigen in dieser Phase oft mehr Licht, um die Ruheperiode sinnvoll zu unterstützen.
Fortgeschrittene Techniken und ästhetische Überlegungen
Wenn Sie Bonsai länger pflegen, können fortgeschrittenere Techniken das Spektrum der Gestaltung erweitern. Hier einige Ansätze, die regelmäßig von erfahrenen Bonsai-Künstlern genutzt werden:
Kompositions- und Gestaltungsideen
Formen ergeben sich durch Balance zwischen Stamm, Krone, Wurzelwerk und Topf. Achten Sie darauf, dass der Baum in der Gesamtheit der Gestaltung eine ruhige, ausgeglichene Linie bildet. Ein gut gestalteter Bonsai spricht mit Blicken, die den Blick durch die Linienführung des Baumes führen – von der Basis über den Stamm bis zur Krone.
Defoliation und Blattverkleinerung
In bestimmten Fällen ermöglicht Defoliation eine kompaktere Krone und eine bessere Lichtdurchdringung. Diese Technik setzt Erfahrung voraus, da zu starkes Defoliieren dem Baum Stress bereiten kann. Beobachten Sie, wie die Pflanze reagiert, und setzen Sie Defoliation gezielt ein, um das gewünschte Ziel – kleinere Blätter, dichteres Styling – zu erreichen.
Pflegegepflogenheiten und Langzeitplanung
Ein Bonsai ist kein statisches Objekt, sondern eine lebende Arbeit. Die langfristige Planung umfasst jährliche Zielsetzungen, wie z. B. die Verfeinerung der Drahtposition, die Anpassung der Krone oder das langsame Verjüngen alter Äste. Halten Sie Notizen über alle Schritte, damit Sie Muster erkennen und bessere Entscheidungen treffen können.
Häufige Missverständnisse rund um Bonsai
In der Bonsai-Welt kursieren verschiedene Mythen. Hier ein kurzer, praxisnaher Klartext zu einigen verbreiteten Irrglauben:
- „Bonsai wächst gleichmäßig in kurzer Zeit“ – Bonsai braucht Zeit; echtes Wachstum erfolgt schrittweise über Jahre, nicht Monate.
- „Mehr Draht bedeutet besseres Ergebnis“ – Draht muss behutsam eingesetzt werden; zu viel oder zu fest angewendeter Draht schädigt Rinde und Triebe.
- „Bonsai ist eine einfache Form von Bonsai-Topf-Baum“ – Bonsai ist eine komplexe Kunst, die Pflege, Geduld, Lernbereitschaft und ästhetische Sensibilität vereint.
Worauf Sie beim Kauf eines Bonsai achten sollten
Der erste Bonsai sollte eine gute Balance zwischen Form, Gesundheitszustand und Wartbarkeit bieten. Hier sind einige Kriterien, die Ihnen helfen, eine fundierte Wahl zu treffen:
- Gesundheit des Baums: klare Knospen, grüne Blätter, keine Anzeichen von Schädlingen oder Welke.
- Stamm- und Aststruktur: eine klare, lesbare Linie, die dem gewählten Stil entspricht.
- Wurzelballen: ausreichende Wurzelentwicklung ohne Anzeichen von Wurzelfäule.
- Bezug zum Stil: entspricht der gewünschten Form (Chokkan, Moyogi, Shakan, Kengai, Han-kengai).
Fazit: Bonsai – mehr als Gartenarbeit, eine Lebenskunst
Das Arbeiten mit Bonsai ist eine Reise, die Geduld, Disziplin und Kreativität gleichermaßen belohnt. Bonsai fordert uns heraus, präzise zu arbeiten, im Rhythmus der Natur zu handeln und den Moment zu schätzen, in dem eine Idee Form annimmt. Ob Sie nun ein Anfänger mit ersten Schritten oder ein erfahrener Praktiker auf der Suche nach neuen Formen sind – Bonsai eröffnet eine Welt, in der Handwerk, Kunst und Natur zu einer ruhigen, inspirierten Praxis verschmelzen. Mit dem richtigen Setup, einer klaren Pflege- und Trainingsstrategie und einer kontinuierlichen Lernbereitschaft kann jeder Bonsai zu einem persönlichen Meisterwerk wachsen – ein lebendiges Symbol für Geduld, Respekt vor der Natur und Schönheit in kleinen Dingen.